Das Biedermeierzimmer der Familie Sander wurde für diese Ausstellung möglichst originalgetreu nach der „guten Stube“ im Haus Sommerhalde 6 in Unterjesingen rekonstruiert. Über zwei Jahrhunderte hinweg blieb dieses Ensemble aus Möbeln und dem Ofen in der Familie und wurde von Generation zu Generation weitergegeben und gepflegt.
Grundlage der Rekonstruktion sind die detaillierten Inventare und Erinnerungsberichte von Prof. Evamarie Sander (1928–2023), die ihr Biedermeierzimmer bis zuletzt bewohnte und als Zentrum familiärer Feste, Gespräche und akademischer Begegnungen beschreibt. Anordnung, Kombination und Gebrauchsspuren der Objekte folgen daher weitgehend dem historischen Zustand – vom ausziehbaren Esstisch über den Meissener Ofen bis zur Tischwäsche aus mehreren Generationen.
An zwei Audiostationen ist Evamarie Sander mit ihrer eigenen Stimme zu hören: Sie erzählt von der Herkunft einzelner Stücke, von Alltagsritualen im Raum und von biografischen Erfahrungen, die sich mit dem Biedermeierzimmer verbinden. Das Zimmer wird so nicht nur als Stilinterieur präsentiert, sondern als verdichtete Familiengeschichte und als Beispiel bürgerlicher Wohnkultur seit dem frühen 19. Jahrhundert.
Das Biedermeierzimmer ist Teil der „Sammlung Sander“, eines umfangreichen Nachlasses mit Möbeln, Haushaltsgegenständen, Büchern, Archivalien und wissenschaftlichen Objekten, der am MUT systematisch erschlossen und für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.