Bohnenberger-Observatorium

Das Bohnenberger-Observatorium auf dem Schloss ist restauriert und wieder zu besichtigen!

Dem Museum der Universität Tübingen MUT wurde nun die museale Nutzung des historisch bedeutenden Observatoriums von Johann G. F. Bohnenberger auf Schloss Hohentübingen übergeben. Dies ist um so bedeutsamer, als das kleine Observatorium vor 200 Jahren speziell für den sogenannten „Reichenbach'schen Wiederholungskreis“ errichtet wurde; ein Gerät, das nach 16 Jahren wieder an seinen ursprünglichen Ort zurückgeführt werden konnte. Den Wiederholungskreis gibt es weltweit nur noch wenige Male, so etwa in Florenz, Mailand oder Paris. Allerdings existiert nur in Tübingen das historisch einmalige Gesamtensemble aus Originalgerät und speziell dafür errichtetem Gebäude, das auch noch das älteste Bodenobservatorium der Welt darstellt. Die Sanierung wurde im September 2018 abgeschlossen – pünktlich zur 200-Jahrfeier der württembergischen Landesvermessung, die an diesem Ort ihren Ausgangspunkt nahm.

Wir freuen uns sehr und danken allen Ämtern, Architekten, Restaurierungsfachleuten, Kooperationspartnern und Mitstreitern bei der Sanierung dieses phantastischen Ortes! Dies bedeutet für das MUT einen weiteren großen Schritt, die bedeutenden historischen, wissenschaftlichen aber auch kulturgeschichtlichen Räume, Sammlungen und Orte nach und nach für die Öffentlichkeit bereitzustellen. Dazu zählen neben den herausragenden Sammlungen im Museum Alte Kulturen auch das Tübinger Schlosslabor als Wiege der Biochemie oder das weltweit älteste Riesenweinfass im Schlosskeller und eben dieses Observatorium.

Erfahren Sie mehr über das Observatorium in der anlässlich der Wiedereröffnung erschienenen Publikation "Die Tübinger Schloss-Sternwarte" des Astronomiehistorikers Jürgen Kost.

 



Die historische Sternwarte auf Schloss Hohentübingen

Nachdem Württemberg 1806 zum Königreich aufgestiegen war, ordnete König Wilhelm I. die Vermessung und Kartierung seines Reichs an. Für das stark vergrößerte Land war das Wissen um seine Ausdehnung die Grundvoraussetzung für eine moderne Verwaltung und ein einheitliches Steuerrecht. Mit der Aufgabe der Landesvermessung betraute Wilhelm I. 1818 den Mathematiker und Astronomen Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger (1765–1831), Professor für Mathematik und Astronomie an der Universität Tübingen. Zur neuen Kartierung des Königreichs legte Bohnenberger den Nullpunkt seiner Messungen in das Observatorium, also auf die Spitze des Nordostturms weshalb noch heute sämtliche württembergische Flurkarten sich an diesem Punkt orientieren.

Allerdings wurde das Schloss bereits vor Bohnenberger als astronomischer Beobachtungspunkt genutzt: Der Tübinger Mathematiker und Physiker Georg Wolfgang Krafft (1701–1754) richtete 1752 das erste Observatorium auf dem Nordostturm des Schlosses ein. Und schon in den Jahrhunderten zuvor, spätestens seit der Gründung der Universität im Jahr 1477, hatte bereits eine bedeutende astronomische Tradition Tübinger Gelehrter und Humanisten existiert, unter anderem Johannes Stöffler (1452–1531), Johannes Kepler (1571–1630) und Wilhelm Schickard (1592–1635).
 

Das neue Observatorium auf der Bastion

Zur Verbesserung der technischen Ausrüstung für das Observatorium bestellte Johann Gottfried Friedrich Bohnenberger etwa 1812 eines der modernsten Winkelmessinstrumente seiner Zeit, einen großen Wiederholungskreis bei der Firma Reichenbach & Utzschneider in München. Bohnenberger hatte speziell für das 1814 gelieferte Instrument das kleine Observatorium mit einer drehbaren Kuppel hier auf der Bastion errichten lassen.

Einzigartiges Ensemble

Mit dem neuen Observatorium auf der Bastion wollte Bohnenberger also Koordinaten von Himmelsobjekten bestimmen. Es war das Zeitalter der Positionsastronomie mit dem Ziel, durch Sternkarten die Bewegung von Himmelsobjekten, wie beispielsweise Asteroiden zu beschreiben. Heute existieren nur noch wenige dieser „Reichenbach’schen Wiederholungskreise“ – etwa in Paris, Mailand oder Florenz. Die Kombination aus originalem Aufstellungsort und einem nahezu kompletten Instrument wie es das Tübinger Ensemble darstellt ist weltweit einzigartig und eine wissenschaftshistorische Sehenswürdigkeit.
 

Wiederentdeckung

Bald nach dem Tod Bohnenbergers 1831 geriet die kleine Sternwarte auf der Bastion in Vergessenheit, bis der Tübinger Wissenschaftler Alfons Renz im Jahr 2002 in der unscheinbaren Sternwarte das Originalgerät wiederentdeckte. Zur 200-Jahrfeier des Beginns der württembergischen Landesvermessung erfolgte zum Abschluss der Sanierung des Observatoriums im Jahr 2018 die Rückführung des Reichenbach’schen Wiederholungskreises, nachdem er im Landesamt für Denkmalpflege restauriert worden war.




Besuchen Sie das Bohnenberger-Observatorium im Schloss Hohentübingen


Öffnungszeiten

Mi bis So: 10 bis 17 Uhr
Do: 10 bis 19 Uhr

Eintritt

Frei

Führungen

Im Rahmen der Schlossführung wird das Bohnenberger-Observatorium besichtigt.

Kontakt

Telefon: 07071-29-77579

E-Mail: museumuni-tuebingen.de


Adresse

Museum Alte Kulturen
Burgsteige 11
72070 Tübingen