In regelmäßigen Abständen stellen das Universitätsarchiv und die Universitätsbibliothek Tübingen Highlights und interessante Objekte aus ihren Sammlungen vor. Die Objekte des Monats September 2026 sind Parapheranalia zum 500. Geburtstag von Martin Crusius.
Was bedeutet es, seinen Geburtstag im 16. Jahrhundert zu feiern? Gab es Geschenke, Kuchen und Geburtstagslieder? Im Fall von Martin Crusius (19. September 1526–14. Februar 1607) braucht man nicht lange zu spekulieren, sondern kann ihn 500 Jahre nach seiner Geburt anhand seiner Tagebücher selbst befragen.
Martin Crusius war von 1559 bis zu seinem Tod im Jahr 1607 als Professor der griechischen und lateinischen Sprache an der Universität Tübingen tätig. Über mehrere Jahrzehnte hinweg (1571 – 1605) hielt der Tübinger Gelehrte auf über 6.300 handgeschriebenen Seiten in 10 Tagebuchbänden nicht nur politische Nachrichten und akademische Angelegenheiten fest, sondern auch Gespräche, Besuche, Bücher, Mahlzeiten, Preise, Gerüchte, Krankheiten, Wetterbeobachtungen und persönliche Empfindungen. Ab dem Jahr 1579 finden sich zunehmend regelmäßig Eintragungen zu seinem Geburtstag. Die Einträge machen damit eine Welt sichtbar, die in klassischen wissenschaftlichen Quellen häufig verborgen bleibt: den Alltag eines Gelehrten der Frühen Neuzeit.
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