In regelmäßigen Abständen stellen das Universitätsarchiv und die Universitätsbibliothek Tübingen Highlights und interessante Objekte aus ihren Sammlungen vor. Objekte des Monats August 2026 sind Promotions-Gelegenheitsschriften aus dem 17. Jahrhundert.
Herzlichen Glückwunsch zur Promotion! Heute gibt es dafür Blumen, Sekt und vielleicht einen LinkedIn-Post. Im 17. Jahrhundert bekam man dagegen ein ganzes Heft voller Gedichte, Glückwünsche und Lobreden. Diese sogenannten Promotions-Gelegenheitsschriften wurden eigens für einen Doktoranden gedruckt und von Professoren, Freunden, Verwandten und Kommilitonen mit Beiträgen gefüllt. Was damals als akademische Festkultur begann, erweist sich heute als wahre Schatzkammer für die Forschung. Lange galten diese Drucke als unscheinbare „graue Literatur“: Verbrauchsliteratur, zu unbedeutend, zu uninteressant. Viele wurden nie richtig katalogisiert, manche verschwanden in Sammelbänden oder lagerten jahrhundertelang unbeachtet in Bibliotheksmagazinen. Dabei enthalten sie weit mehr als höfliche Glückwünsche. Sie verraten, wer mit wem studierte, wer wen förderte, wer mit welcher Familie verbunden war und wer zum engsten Kreis eines Gelehrten gehörte. Kurz gesagt: Sie sind die sozialen Netzwerke der Frühen Neuzeit.
Die Promotionsschriften der UB stammen in der Regel aus Tübinger Druckereien, sind überwiegend auf Latein verfasst und feiern Studenten der Theologie, Philosophie, Medizin oder Jurisprudenz. Hinter ihren oftmals ausschweifenden Titeln verbergen sich hunderte Namen von Professoren, Freunden, Verwandten und Förderern.
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