Wahre Helden | 10040

Anja Klöckner und Matthias Recke (Hg.). Wahre Helden? Daumier und die Antike, Katalog zur Ausstellung, Gießen 2007. 120 Seiten.

Der französische Künstler Honoré Daumier (1808 – 1879) karikiert mit feiner Beobachtungsgabe und teils derbem Spott die bürgerliche Antikenbegeisterung des 19. Jahrhunderts und stellt die Verherrlichung des Altertums generell in Frage. Seine mythischen Helden sind allesamt sehr bodenständig und stehen weit von dem hehren Sockel entfernt, auf den das Bürgertum die Antike gestellt hat.

In der Ausstellung Wahre Helden? Daumier und die Antike werden 32 ausgewählte Lithographien Daumiers gezeigt, die die Heroen des klassischen Altertums und ihre vorbildhaften Taten aufs Korn nehmen. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum 400-jährigen Jubiläum der Justus-Liebig-Universität Gießen und erhält einen ganz besonderen Reiz dadurch, dass diese graphischen Meisterwerke Daumiers in einem spannungsreichen Wechselspiel mit den griechischen und römischen Originalen der Antikensammlung stehen, die als Leihgabe der Univeristät im Wallenfels‘schen Haus am Kirchenplatz zu sehen sind.

Der reich bebilderte Katalog bietet eine profunde Einführung in das Leben und das künstlerische Werk Daumiers, er kommentiert den historischen Hintergrund und das künstlerische Umfeld dieser Zeit und arbeitet detailliert heraus, auf welche antiken (oder auch klassizistischen) Kunstwerke Daumier in seinen Lithographien anspielt. Alle Exponate werden ausführlich kommentiert und durch Illustrationen von Vergleichsstücken ergänzt. Der Katalog gewährt so einen tiefen Einblick in das Antikenvertändnis und die Gesellschaftskritik des Honoré Daumier.