Theodor Mommsen (1817-1903) auf Medaillen und Plaketten

Online-Ausstellung

Am 30. November 2017 jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag von Theodor Mommsen, dem bedeutendsten Altertumswissenschaftler des 19. Jahrhunderts. Aus diesem Anlass organisiert das Museum der Universität Tübingen MUT eine Sonderausstellung, in der die Medaillen und Plaketten auf Theodor Mommsen aus dem Besitz der Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Tübingen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Zusätzlich stellt das Format der Ausstellung ein Novum dar, da es sich bei der Schau um die erste rein elektronische Sonderausstellung des Museums der Universität Tübingen MUT handelt. Theodor Mommsen wurde am 30.11.1817 in Garding (Kr. Nordfriesland, Schleswig-Holstein) geboren. Nach dem Studium in Kiel und anschließenden Wanderjahren als Lehrer und Journalist hatte Mommsen Professuren in Leipzig (1848–1851), Zürich (1851–1854) und Breslau (1854–1857) inne, bevor er 1858 als Secretar (Forschungsdirektor) der philosophisch-historischen Klasse der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften nach Berlin berufen wurde. In dieser Funktion leitete er die Herausgabe des Corpus der lateinischen Inschriften (CIL), erhielt 1861 den Lehrstuhl für Römische Altertumskunde an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (der heutigen Humboldt-Universität) und avancierte zum führenden Forscher und einflussreichsten Wissenschaftsorganisator seiner Epoche. Ein enormes wissenschaftliches Oeuvre von mehr als 1500 Publikationen, von denen eine Reihe die Forschung methodisch und inhaltlich prägte, und die bis heute nachwirkenden wissenschaftspolitischen Aktivitäten, wie der Anstoß und die Einrichtung von Großprojekten zur Grundlagenforschung der systematischen wissenschaftlichen Erschließung des obergermanisch-rätischen Limes (Reichs-Limeskommission, RLK) oder der griechischen Münzen als historische Quelle (Griechisches Münzwerk), legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Zugleich war Mommsen im Preußischen Abgeordnetenhaus, später sogar als Abgeordneter des Reichstags politisch aktiv. Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurden Mommsen hohe staatliche Ehrungen zuteil. Er wurde im Jahre 1881 als Träger des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste für die Berliner Nationalgalerie porträtiert und aus Anlass der 200-Jahrfeier der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften im Jahre 1900 verlieh ihm der Kaiser den Roten Adler-Orden erster Klasse als höchste Auszeichnung. Die international bekannteste Würdigung widerfuhr Mommsen im Jahre 1902 mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur für sein auf fünf Bände angelegtes Werk „Römische Geschichte“, welches bis zu seinem Tode in neun Auflagen erschien und ein in viele Sprachen übersetzter Bestseller war. Das hohe Ansehen von Mommsen in der Wissenschaft, Kunst und Politik führte dazu, dass seine markante Erscheinung mit der exzentrischen Frisur und der zuweilen schief sitzenden Nickelbrille in den maßgeblichen Bildmedien des 19. Jahrhunderts – in illustrierten Zeitschriften, in Lexikoneinträgen, auf Postkarten und in Medaillen und Plaketten – abgebildet wurde. Während Mommsen damit schon zu Lebzeiten einer breiten Öffentlichkeit bekannt war, so blieb ihm auch nach seinem Tod am 1. November 1903 der Ruf als prominentester Vertreter der Altertumswissenschaft erhalten. Neben verschiedenen posthumen Ehrungen wie die überlebensgroße Sitzstatue aus Marmor, welche 1909 vor der Berliner Universität aufgestellt wurde, gelten vor allen Dingen die Medaillen und Plaketten als Denkmäler en miniature für die Erinnerung an die Verdienste des Verstorbenen. Bezeichnenderweise wurden die posthumen Medaillen und Plaketten auf Theodor Mommsen oftmals im Rahmen von Serien über große Persönlichkeiten, wie Dichter, Bildhauer, Maler und Philosophen (z.B. Schubert, Schopenhauer, Tolstoi, Uhland, Darwin, Humboldt, usw.) herausgeben. Die Tübinger Exponate decken beinahe alle bekannt gewordenen Medaillen und Plaketten auf Theodor Mommsen ab. Der chronologische Rahmen der Ausstellung umfasst von der ältesten Medaille zu Ehren des 60. Geburtstags des Jubilars aus dem Jahre 1877 bis hin zum jüngsten Objekt, einer modernen Biskuitporzellanmedaille aus dem Jahre 1974, knapp einhundert Jahre Medaillenkunst. Damit bieten die Tübinger Exponate nicht nur einen exemplarischen Ausschnitt aus der zeitgenössischen Würdigung Theodor Mommsens und seiner Verdienste im Medium Medaillenkunst, sondern skizzieren zugleich die Geschichte der Personenmedaille, welche als sammelwürdiges Objekt bis in die Mitte des 20. Jahrhundert zu den bedeutenden Schmuck- und Kunstobjekten des Alltags zählte.

 

 

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Kurator: Dr. Stefan Krmnicek und die studentischen Mitarbeiter Mirijam Babel, Leonhard Geißler, Matthias Kalisch, Larisa-Angela Lazar, Samuel Oer de Almeida, Marcel Philipp, Ulla-Britt Stiernskog-Migliore und Julia Zastrow

 

Technische Umsetzung: Peter Moos M.A.

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Datum: 07.12.2017